Darmstadt, 01. Juni 2009

    Wie viele Kinder hält die Brücke?

    Forscherwerkstatt der Goetheschule regt zum Entdecken und Mitdenken an

    „Mein Sohn erzählt eigentlich nie von der Schule“, meint Susanne Jacobi, Mutter eines Drittklässlers der Darmstädter Goetheschule. „Doch an den Tagen, an denen er in der Forscherwerkstatt war, ist das anders. Dann spricht er von Luftdruckunterschieden, Elektrizität, den Reaktionen verschiedener Flüssigkeiten – und dass sie beim nächsten mal unbedingt ausprobieren müssen, ob die Leonardo-Brücke nicht nur ein Kind aus der Forschergruppe aushält, sondern alle drei.“

    Die 2008 gestartete Forscherwerkstatt kommt bei Eltern und Kindern der Grundschule gleichermaßen gut an. Eingerichtet wurde das kindgerechte Labor im Werkraum. Dort können die Kinder mehrmals im Laufe des Schuljahrs in kleinen Gruppen Versuche durchführen oder vorbereiten – so zum Beispiel den Bau einer Backpulverrakete, das Einfärben von Wasser mit Krepppapier oder die Konstruktion einer sich selbst tragenden Leonardo-Brücke. Auch Schulleiterin Gabriele Müller freut sich darüber, dass die Sprösslinge jetzt auf ganz eigene Weise experimentieren und entdecken können. „Die Forscherwerkstatt ist ein wichtiger Baustein unseres Schulprogramms“, so die Rektorin.

    Angeleitet werden die Kleinen von Coach Dr. Peter Böhm. Er erklärt die Aufgaben, gibt Denkanstöße und entwickelt auch schon mal aus den Fragen der Sprösslinge neue, weitergehende Experimente. Vom Konzept der Forscherwerkstatt ist er überzeugt: „Die Schülerinnen und Schüler werden hier zu Handelnden. Sie sammeln persönliche Erfahrungen mit Naturwissenschaften – und schaffen sich damit ihr eigenes Weltwissen.“ Böhm ist jede Woche mit acht Unterrichtsstunden in der Forscherwerkstatt im Einsatz. Hauptberuflich arbeitet der Geograph als Bodenwissenschaftler an der Forschungsanstalt Geisenheim. Bei den Knirpsen steht der Fachmann hoch im Kurs: „Wenn wir etwas nicht verstehen, hilft uns Herr Böhm“, meint Hüseyin-Gani Öksuz aus der 2b. „Er weiß alles und hat gute Ideen!“
    Offenbar fördern die naturwissenschaftlichen Experimente auch das fächerübergreifende Denken. So wollten es beispielsweise die Kinder der 2a noch mal ganz genau wissen, als sie im Religionsunterricht eine Nikolauslegende gehört hatten, in der das Entladen eines Schiffes eine Rolle spielte. Aufgeweckt brachten sie die Frage auf: Wie tief liegt der Schiffsrumpf eigentlich noch im Wasser, wenn ein großer Teil der Ladung gelöscht ist? Lehrerin Dorothee Kiniorski war beeindruckt: „Dass die Kinder nach nur fünf Besuchen in der Forscherwerkstatt die Idee hatten, eine Geschichte auf naturwissenschaftliche Inhalte hin zu überprüfen – das finde ich toll.“

    Möglich wurde die Forscherwerkstatt unter anderem auch durch das Engagement von Unternehmen aus der Region, die sich als Sponsoren einbringen. So zum Beispiel Schenck Process: Der Spezialist für Wäge- und Dosiertechnik war von Anfang an dabei und übernimmt die Finanzierung des Coaches. In Zeiten, in denen allerorten vom Fachkräftemangel und fehlendem qualifiziertem Nachwuchs die Rede ist, hat das Unternehmen die frühe Förderung naturwissenschaftlichen Interesses im Blick. „Dass wir am Standort Deutschland etwas tun müssen, wenn wir den Nachwuchs für Naturwissenschaften begeistern wollen, ist uns schon lange bewusst“, so Heike Trautmann, Marketing Communication Manager bei Schenck Process. „Auf die Idee, uns in der Goetheschule zu engagieren, brachte uns einer unserer Mitarbeiter, dessen Kind dort zur Schule geht“. Nahe liegend – im wahrsten Sinne des Wortes – war das Ganze auch deshalb, weil sich die Grundschule im gleichen Stadtteil wie das Firmengelände von Schenck Process befindet.

    Noch ein weiteres Ziel verfolgt das Unternehmen mit seinem Engagement: „Wenn wir uns schon bei den Kleinsten und ihren Eltern bekannt machen“, meint Heike Trautmann, „steigen auch die Chancen, dass sie später als Schüler für einen Schnuppertag oder ein Praktikum zu uns kommen.“ Und an neugierigen, aufgeweckten potenziellen Maschinenbauern hat Schenck Process immer Interesse.