Erste Erfolge und Patente

    Am 1. November 1881 wurde der von Carl Schenck für die Laufgewichtswaage konstruierte Kartendrucker "Schencks Registrierapparat" zum Patent angemeldet. Wie die Gegenüberstellung mit dem von dem Franzosen Chamcroy erfundene Kartendrucker zeigt, ermöglichte der Registrierapparat von Carl Schenck erstmals den Abdruck des Gewichts übersichtlich in einer Zeile. Nach der Zulassung zur Eichung wurden 1884 die ersten Registrierapparate an die Kundschaft geliefert, der hundertste konnte bereits im Oktober 1885 fertiggestellt werden. Das Patent wurde trotz Einspruchs des Wettbewerbs am 26. März 1882 erteilt, später jedoch mehrfach angefochten und erst im Mai 1887 endgültig vom Reichsgericht bestätigt.
    Die handbediente Laufgewichtswaage mit dem neuen Registrierapparat verschaffte dem jungen Unternehmen einen rasch steigenden Absatz.

    In den folgenden Jahren beschäftigte sich Carl Schenck mit seiner Erfindung, der selbsttätigen Laufgewichtswaage, die die Ermittlung der Last ohne menschliche Bedienung ermöglichen sollte. Der Verwirklichung stellten sich angesichts der für alle Teile einer eichfähigen Ausführung notwendigen Präzision bei den damaligen Fertigungsmöglichkeiten unerwartete Hindernisse entgegen. Nach mehrjährigen Bemühungen entschloss man sich, die Verwendung des Apparates auf die Verwägung von Schmalspur- und Hängebahnfahrzeugen zu beschränken, bei denen nur die Abweichung von dem vorgesehenen Füllgewicht zu ermitteln war. Während die Mindestlast an der Waage fest ausgeglichen wurde, ermittelte ein einziger Laufgewichtsschieber mit der Differenz zur Höchstlast das Ladegewicht des Fahrzeuges. Diese Erfindung wurde Carl Schenck unter der Bezeichnung "Brückenwaage“ mit selbsttätig bewegtem Hilfslaufgewicht" 1891 durch Patent geschützt.

    1890/91 konnten die ersten automatischen Rollbahn- und Hängebahnwaagen geliefert werden. Die neue selbsttätige Laufgewichtswaage, die 1900 auf der Weltausstellung in Paris mit der goldenen Medaille ausgezeichnet wurde, machte die Firma in wenigen Jahren auch in Übersee bekannt. So wurden beispielsweise 13 dieser Waagen 1898 an die Goldminen in Transvaal, Südafrika, und zehn an die Kaiserlich Japanischen Stahlwerke geliefert.

    Neben den schon im ersten Einführungsschreiben an die Kundschaft erwähnten Waagen wurden viele weitere Wägeeinrichtungen entwickelt, unter anderem Kranwaagen für größere Tragkräfte und Plattformwaagen zur Wägung warmer Stahlblöcke für die Hüttenindustrie in Lothringen, im Saarland, in Westfalen und Oberschlesien.

    Ebenso große Bedeutung erlangte die Lokomotiv-Wägeeinrichtung zur Bestimmung der Achsdrücke. Diese Anlagen wurden nicht nur an Lokomotiven-Hersteller sondern auch an zahlreiche in - und ausländische Eisenbahnverwaltungen geliefert.

    Das Fabrikationsprogramm wird erweitert

    1894 nahm Carl Schenck den Bau von Materialprüfmaschinen auf, deren Herstellung er schon in Mannheim betrieben hatte. Neben Universalmaschinen für Zug, Druck und Biegung wurden insbesondere Feder- und Kettenprüfmaschinen hergestellt.

    Der Absatz von Gleiswaagen dagegen wurde bei sinkenden Preisen durch den Wettbewerb mehr und mehr erschwert. Es fand zwar durch den steigenden Umsatz in patentrechtlich geschützten Erzeugnissen ein gewisser Ausgleich statt; Carl Schenck sah sich aber doch veranlasst, das Erzeugnisprogramm zu erweitern. Zunächst wurden Dreh- und Umladekräne sowie Drehscheiben und Schiebebühnen an die Eisenbahnverwaltungen geliefert. Der Neubau der Gießerei-Halle erforderte auch die Anschaffung eines Laufkrans, den Carl Schenck nach gekauften Plänen selbst herstellte. Danach beschloss man, auch Laufkräne in das Fertigungsprogramm aufzunehmen.

    Der Eisengießerei hatte Carl Schenck von Anfang an große Beachtung geschenkt. Sie lieferte neben den für die eigene Waagenfertigung benötigten Gussteilen auch Bremsklötze und Achsbuchsen für die Eisenbahnen, Schmiedefeuer, Maschinenguss und Bauguss. Sie war damit über zehn Jahre lang gut beschäftigt. Um auch größere Gussteile, vor allem gusseiserne Säulen stehend herstellen zu können, wurde die Errichtung eines neuen und höheren Gießerei-Gebäudes erforderlich. Gleichzeitig wurden weitere Baumaßnahmen in Angriff genommen; vor allem ein neues Bürogebäude, eine dampfelektrische Kraft- und Lichterzeugungsanlage und ein Anschlussgleis zur Bahn gelegt. Alle diese Neueinrichtungen konnten im Laufe des Jahres 1895 in Betrieb genommen werden.

    Da Carl Schenck die in seinem Unternehmen erarbeiteten Gewinne zur Weiterentwicklung von Konstruktionen und Einrichtungen verwendete, also investierte, konnte die Zahl der Mitarbeiter laufend erhöht werden: Von 25 im Jahre 1881 auf 186 bis 1894.
    Wenn man die zahlreichen Neuentwicklungen während dieser Zeitspanne in Betracht zieht, so geben diese Zahlen schon eine gewisse Vorstellung von der großen Arbeitslast, die Carl Schenck täglich für den Betrieb, den Ausbau und die Vergrößerung des Werkes aufwenden musste. Die Leitung des kaufmännischen Personals, der Konstrukteure und der Werkstätten, schließlich auch die Erziehung des Nachwuchses zu tüchtigen Facharbeitern, um die er sich persönlich kümmerte, hatten an seinen Kräften gezehrt. Er entschloss sich deshalb, die Verantwortung für sein Unternehmen auf jüngere Schultern zu übertragen.
    Dazu nahm er seinen Schwiegersohn, Dr. Georg Büchner, und seinen Neffen, den Ingenieur Emil Schenck, als Gesellschafter und Geschäftsführer auf und gründete mit ihnen am 1. Juni 1894 mit einem Stammkapital von 335.000,- Mark die "CARL SCHENCK Eisengießerei und Maschinenfabrik Darmstadt GmbH“.