Die frühen Jahre

    Die Jahre bis zum ersten Weltkrieg 1914

    Neben den neuen Geschäftsführern blieb Carl Schenck bis 1895 als allein Zeichnungsberechtigter in der Leitung der GmbH tätig.

    Da für die Herstellung der elektrisch angetriebenen Laufkräne in den vorhandenen Werkstätten der Raum fehlte, mussten sie im Freien gebaut werden, und da eine Erweiterung des Werkes in Darmstadt wegen der angrenzenden Main Neckar- Bahn nicht möglich war, erwarb man 1897 neben der Bahnstation Arheilgen ein Gelände von etwa 30.000 Quadratmetern. Darauf wurden von 1898 bis 1900 geräumige Werkstätten errichtet und ein Gleisanschluss zur Bahn hergestellt.

    Die Mittel für die 1895 im Werk Darmstadt durchgeführten Investitionen und Baumaßnahmen sowie für den Grunderwerb und den Aufbau des Betriebes in Arheilgen wurden durch Aufnahme weiterer Gesellschafter aufgebracht und damit das Kapital der Gesellschaft laufend erhöht, zwischen 1895 und 1900 von 395.000 Mark auf 775.000 Mark.

    1899 beschlossen die Gesellschafter die Berufung eines Aufsichtsrates, der im Jahre 1900 seine Tätigkeit unter dem Vorsitz von Carl Schenck aufnahm.

    Im neuen Werk Arheilgen wurden neben Stationskrähnen, Drehscheiben und Schiebebühnen für die Eisenbahn schwere Kräne gebaut, vor allem für die Hüttenindustrie, die Ende der neunziger Jahre einen gewaltigen Aufschwung genommen hatte. Etwa vierzig dieser Kräne wurden hergestellt, bis die Konjunktur kurz nach der Jahrhundertwende jäh abfiel. Die Beschäftigung des Werkes Arheilgen ging stark zurück, die wenigen Anlagen für die Eisenbahnen konnten diese Lücke nicht ausfüllen.

    Der gut beschäftigte Waagenbau glich zwar die entstehenden Verluste zum Teil aus. Die Lage im Werk Arheilgen verschlechterte sich jedoch derartig, dass man sich mit dem Gedanken trug, dieses Werk zu verkaufen.
    In dieser schwierigen Lage wurde der Lizenzbau eines neuen Fördermittels für die Bekohlung von Kraftwerken zur Rettung. Man musste zwar am Anfang viel Lehrgeld zahlen, ehe die Konstruktion ausgereift war, dann setzte aber der Erfolg rasch ein. Im nächsten Jahrzehnt konnten bereits über hundert Pendel Becherwerke geliefert werden.

    Die Jahresumsätze in bei den Werken nahmen wieder zu, sie betrugen 1903 etwa 1 Million Mark und konnten bis zu Beginn des Ersten Weltkrieges mehr als verdreifacht werden.
    Der Waagenbau nahm 1902 den Bau von Bandwaagen und Becherwerkswaagen auf, wozu von der Firma Sam. Denison & Son in Leeds eine Lizenz erworben wurde. Die Idee war gut, eine brauchbare Bauart wurde aber erst von Schenck-Konstrukteuren erarbeitet und mit großem Erfolg auch in Kesselbekohlungsanlagen eingesetzt. Damit begann das Zusammenwirken von "Fördern und Wägen", das sich später laufend entwickelte und zur Konstruktion und Lieferung kompletter Wäge- und Verladeanlagen für Schüttgüter, schließlich zum Bau von Gemengeanlagen für die verschiedensten Zweige der Grundstoffindustrie führte.

    Besonders zu erwähnen sind aus dieser Zeit die Entwicklung der Kohlen-Kontrollwaage für Kesselhäuser, der Mehrhebel- und Gattierungswaage zur Kupolofen-Begichtung und 1908 des Sicherheitsgewichtshebels "Securitas" zur Verhinderung falscher Gewichtsabdrucke.

    Schließlich wurde 1912 auch der alte Traum von Carl Schenck erfüllt mit der gelungenen Konstruktion einer vollautomatischen Laufgewichtswaage für die volle Wägefähigkeit: durch den CORONA-Apparat mit 4 Laufgewichts-Schiebern. Er wurde mit Erfolg in einer Reihe von Ausführungen geliefert, sollte aber wegen der langen Wägezeit keine größere wirtschaftliche Bedeutung erlangen.

    Wegen des starken Preisverfalls für Bauguss stellte man die Gießerei auf Schablonenguss und die Herstellung schwerster Guss-Stücke um. Vor allem an die Elektroindustrie wurden Ankergehäuse, Magneträder, Schwungräder und ähnliches in großem Umfang geliefert.

    Der Zweite Weltkrieg bringt tiefe Einschnitte

    Das Darmstädter Werk wurde durch Luftangriffe am 5. und 12. Dezember 1944 erheblich getroffen, wobei auch Menschenleben zu beklagen waren. Angesichts der wachsenden Bedrohung wurde die Buchhaltung in das mit einem Notdach versehene Wohnhaus von Ludwig Büchner, die Konstruktionsabteilung Prüf- und Auswuchtmaschinen in einen Saal des am Stadtrand gelegenen Heilig-Kreuz-Restaurants und die Abteilung Leistungsbremsen und Prüfstände in ein Gasthaus nach Traisa verlegt.

    Die Fertigung der Klein-Auswuchtmaschinen wurde mit den dafür notwendigen Werkzeugmaschinen und dem erforderlichen Personal zu der befreundeten Firma Rexroth in Lohr am Main verlagert.

    Am 23. März 1945 wurde die Stadt Darmstadt - ohne weitere Beschädigung der beiden Werke - von den amerikanischen Truppen besetzt, zwei Tage später auch Lohr am Main. Hier wurde bei den Kampfhandlungen um den MainÜbergang durch schwere Brandschäden fast das ganze Inventar, darunter auch hochwertige Werkzeugmaschinen vernichtet. Zum Glück waren keine Menschenverluste zu beklagen. Im Werk Darmstadt waren beim Einmarsch der Amerikaner 35 Prozent des umbauten Raumes total zerstört und ohne größere Wiederherstellungsarbeiten unbenutzbar.

    Die schwierigen Jahre nach dem Krieg

    Im Mai 1945 erhielt Schenck von der amerikanischen Militärregierung die Erlaubnis zur Einstellung von 80 Mitarbeitern zur Herstellung von eisernen Dezimalwaagen, um die während des Krieges vernachlässigte Landwirtschaft zu beliefern.
    Nachdem im Werk die notwendigsten Aufräumungsarbeiten durchgeführt waren, wurde die noch kleine Belegschaft auch mit der Fertigung von Handwagen und Fruchtpressen beschäftigt, die der Werkskantine und den Mitarbeitern die Beschaffung von Grundnahrungsmitteln auf dem Tauschwege ermöglichten.

    Im Laufe des Sommers kamen einige Aufträge zur Reparatur früher gelieferter Anlagen herein, ab Ende 1945 wurden auch wieder Neuaufträge, vor allem für Waagen erteilt. Die Materialbeschaffung konnte anfangs nur durch Sortenaustausch mit befreundeten Firmen durchgeführt werden und blieb danach wegen der Verkehrsschwierigkeiten, der Zonengrenzen sowie neuen und komplizierten Bewirtschaftungs- und Kontigentierungsvorschriften lange Zeit erschwert.

    Die Währungsreform leitet die Wende ein

    Die endgültige Erholung und der anschließende Aufstieg begannen nach der Währungsreform im Mai 1948. Danach konnten auch die Verbindungen mit dem Ausland wieder verbessert und neue Geschäftsbeziehungen angebahnt werden. Die laufende Steigerung der Produktion wurde durch die Erweiterung der Werke Darmstadt und Arheilgen - wie er zeitlich in den abgebildeten Lageplänen dargestellt ist - und umfangreiche Investitionen ermöglicht. Hierfür sowie für den Erwerb einiger Tochterfirmen und Beteiligungen, wurde das Stammkapital mehrmals erhöht.

    Der technische Fortschritt in allen Produktbereichen ermöglichte den Einstieg in eine neue Größenordnung, erforderte die Einführung einer zentralen Datenverarbeitungsanlage und die umfangreiche Neugliederung der gesamten Betriebsorganisation.
    Zur erfolgreichen Entwicklung in den vergangenen drei Jahrzehnten hat neben zahlreichen Erfindungen und Neuentwicklungen auf allen Gebieten - allein 671 Schenck-Patente und Patentanmeldungen sowie zahlreiche Gebrauchsmuster existieren weltweit - auch die Aufnahme der Entwicklung und Herstellung von Mess-, Steuer- und Regelgeräten in die eigene Fertigung entscheidend beigetragen. Die ersten Schritte hierzu waren schon 1952 unternommen worden. Sie führten 10 Jahre später zur Einrichtung einer zentralen Abteilung, in der die Entwicklung der elektronischen Baugruppen und Geräte für Steuer- und Kontrollanlagen zentral zusammengefasst wurde.

    Dies ermöglichte nicht nur die Lieferung programmgesteuerter Einzelmaschinen, sondern in zunehmendem Maße auch die Erweiterung des Fabrikationsprogramms auf vollständige Gesamtanlagen.

    Im Januar 1974 wurde das Unternehmen in die Carl Schenck AG umgewandelt.