Der Gründer Carl Schenck und sein Wirken

    Am 14. November 1835 zu Herborn in Nassau geboren, war Carl Schenck unter dreizehn Geschwistern das sechste Kind. Nach der Reifeprüfung, die er 1854 am Gymnasium in Wiesbaden ablegte, studierte er an der Polytechnischen Schule in Karlsruhe, der Vorgängerin der heutigen Technischen Hochschule. Den Lebensunterhalt während seines Studiums bestritt er hauptsächlich durch Nachhilfeunterricht. Mit Rücksicht auf seine Eltern, die für die Erziehung der zahlreichen Kinder große Opfer bringen mussten, beendete er sein Studium nach 4 Semestern Maschinenbau. Von 1856 bis 1863 war Carl Schenck in verschiedenen Maschinenbaubetrieben beschäftigt.

    Nach diesen sieben Jahren Berufserfahrung erwarb er im Jahre 1863 die Mannheimer Firma Johann Schweizer sen., die sich mit dem Bau von Kränen, Waagen und Prüfmaschinen befasste.
    Unter Carl Schencks Leitung nahm das Unternehmen einen solchen Aufschwung, dass die im Mannheimer Stadtteil Jungbusch gelegene Werkstätte den steigenden Anforderungen bald nicht mehr gewachsen war. Der Betrieb wurde daher 1868 in die Schwetzinger Vorstadt verlegt.

    Brückenwaagen fertigte damals das Handwerk. Es ist das Verdienst von Carl Schenck, die Herstellung von Großwaagen als einer der ersten industriell durchgeführt zu haben: nach Konstruktionszeichnungen und mit zunehmender Benutzung von Werkzeugmaschinen, die die zeitraubende und mühselige Hand- und Feilarbeit ersetzten.

    In den frühen Jahren seiner Mannheimer Tätigkeit fertigte Carl Schenck seine Werkstattzeichnungen noch eigenhändig an, ab 1867 wurde er darin durch den ersten technischen Angestellten entlastet, den die Personalliste der Firma auswies: Carl Benz, der später als einer der Pioniere des deutschen Automobilbaus berühmt werden sollte.

    Im Juli 1869 schied Carl Kullmann aus der Firma Johann Schweizer sen. aus, gleichzeitig trat Carl Elsässer als gleich berechtigter Teilhaber in das Unternehmen ein. Am 1.Juli 1871 wurde der Ingenieur Hermann Mohr als dritter Teilhaber in die Firma aufgenommen, die unter dem Namen "Schenck, Mohr & Elsässer" in eine Handelsgesellschaft umgewandelt wurde. Das Unternehmen beschäftigte damals 3 kaufmännische und technische Angestellte sowie 68 Arbeiter.

    Die Entwicklung des Waagenbaus wurde durch die zunehmende Industrialisierung, die Erweiterung des Eisenbahnnetzes und den ständig wachsenden Warenverkehr gefördert und schließlich auch durch die Vereinheitlichung des Maß und Gewichtswesens begünstigt.
    Im Jahre 1868 hatte der Norddeutsche Bund mit einer neuen Maß- und Gewichtsordnung das metrische System und das Kilogramm eingeführt. Diese Maßeinheit wurde ab 1. Januar 1872 vom neu gegründeten Reich zwingend vorgeschrieben.

    Nach dem Besuch der Pariser Weltausstellung hielt Carl Schenck am 4. Mai 1879 als Vorsitzender der Mannheimer Sektion des Vereins Deutscher Ingenieure einen viel beachteten Vortrag, von dem die Wochenzeitschrift des VDI (1879, Seite 135/6) berichtet hat.
    Hierin beschreibt er auch die in Frankreich, England und Amerika gebräuchlichen Konstruktionen. Die aus der alten römischen Schnellwaage entwickelte Laufgewichtswaage war im Ausland schon im Gebrauch, in Deutschland aber noch nicht zugelassen. Es bestand also gegenüber den deutschen Herstellern ein gewisser Vorsprung.
    Die Laufgewichtswaage wurde am 1. Januar 1881 von der "Kaiserlichen Norm- und Aichungskommission" zur Eichung zugelassen.

    Carl Schenck gründet sein eigenes Werk in Darmstadt

    Carl Schenck trat im September 1881 unter Veräußerung seines Anteils aus seiner Mannheimer Firma aus. Er erwarb von der Armaturenfabrik Gebr. Reuling, Mannheim, die zum Verkauf angebotene Gießerei in Darmstadt und eröffnete am 1. Oktober 1881 "Im Zeichen der Waage" seine eigene Firma "CARL SCHENCK Eisengießerei und Waagenfabrik Darmstadt"

    Neben der Gießerei wurde für die Herstellung der Waagen ein Neubau errichtet und mit verschiedenen Werkzeugmaschinen ausgerüstet, die Carl Schenck teilweise nach eigenen Plänen ausführen lies.